BDL auf Lehrfahrt zur Swiss Expo Limousin

Großes Limousin-Fest in der Schweiz

Als die Schweizer Züchter zur Swiss Expo Limousin mit der gleichzeitig stattfindenden Sitzung des europäischen Dachverbandes EuroLim einluden, war für den Bundesverband Deutscher Limousinzüchter (BDL) schnell klar: Dieses Ereignis sollte Anlass für eine Lehrfahrt in die Schweiz sein. Das Angebot wurde von Limousinzüchterinnen und -züchtern, sowie Halterinnen und Haltern aus ganz Deutschland sehr gut angenommen.
Bereits zu Beginn erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die Schweizer Fleischrinderzucht. Svenja Strasser (Mutterkuh Schweiz) und Lukas Wamser (Swissgenetics) stellten die Strukturen und Vermarktungskonzepte vor. In den vergangenen 50 Jahren wurden mehrere Qualitätslabels für die Vermarktung von Absetzern entwickelt, die heute fest im Markt etabliert sind. Trotz eines Grünlandanteils von rund 70 Prozent erzielen sowohl Jungtiere als auch Schlachtkühe attraktive Preise. Voraussetzung hierfür ist die Einhaltung definierter Qualitätskriterien und Zertifizierungen.
Auch in der Zucht setzt die Schweiz auf moderne Verfahren. Swissgenetics kauft jährlich mehrere Besamungsbullen an, die insbesondere für den Kreuzungsmarkt ausgewählt werden. Die Zuchtwertschätzung umfasst eine Vielzahl von Merkmalen und basiert – wie in Deutschland – zunehmend auf genomischen Daten. Durch die konsequente Selektion hornloser Vererber erreicht Limousin in der Schweizer Besamung inzwischen einen Anteil von über 50 Prozent, das ist in Deutschland ganz anders.

Spannende Wettbewerbe in Brunegg
Auf der Nationalschau in Brunegg bewerteten die Richter Vincent Dumont (Frankreich) und Stefan Hodel (Schweiz) über eineinhalb Tage ein umfangreiches Schauprogramm. Neben den klassischen Rassesiegern wurden auch die besten hornlosen Tiere ausgezeichnet. Besondere Aufmerksamkeit erhielten zudem die Auszeichnungen für das beste Euter sowie für die wirtschaftlichste Kuh, deren Bewertung anhand definierter Leistungsmerkmale erfolgte. Der BDL unterstützte diesen Wettbewerb als Sponsor.
Ein Höhepunkt war der Wettbewerb der Betriebsgruppen. Für das Finale mussten sich die Betriebe zunächst qualifizieren. Am Ende setzten sich Fabian Galliker aus Gunzwil sowie die Ferme du Bay von Stefan Minder an die Spitze. Den Gesamtsieg sicherte sich schließlich Fabian Galliker mit einem denkbar knappen Vorsprung.
Auch die Elite-Auktion erzielte erwartungsgemäß hervorragende Preise. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit einer neunköpfigen Artistengruppe sorgte zusätzlich für beste Unterhaltung. Erfreulich aus deutscher Sicht: Einige Schautiere mit deutschen Pedigrees konnten sich sehr gut platzieren.

Eindrucksvolle Betriebsbesichtigungen
Im Anschluss an die Schau besuchte die Reisegruppe mehrere Zuchtbetriebe. Schnell wurde deutlich, dass die Limousinzucht in der Schweiz ein sehr breites Spektrum umfasst. Gleichzeitig zeigte sich der deutliche Vegetationsvorsprung: Der erste Grasschnitt war vielerorts bereits Mitte April eingebracht worden.
Auf dem Betrieb von Fabian Galliker im Kanton Luzern werden rund 60 Mutterkühe in einem für die Schweiz typischen Zweiraumstall mit Außenlaufbereich gehalten. Etwa die Hälfte der Herde war enthornt. Besonderen Wert legt der Betriebsleiter auf Milchleistung, problemlose Abkalbungen, Fundament und Charakter.Eine Besonderheit seines Managements ist die Fütterung hochtragender Kühe ausschließlich mit extensivem Heu bis zur Kalbung; erst eine Woche nach der Geburt erfolgt die Umstellung der Ration. Die herausragenden Schauerfolge bestätigten dieses Konzept eindrucksvoll.
Auf dem Betrieb der Familie Meyer nahe Bern stand eine funktionale, selektierte und wirtschaftliche Herde im Mittelpunkt. Die Tiere werden ebenfalls mit Zugang zum Laufhof im Freien gehalten, was bestens funktionierte.Neben den Bullen, von denen auch mehrere in die Zucht verkauft wurden, vermarktet der Betrieb auch viele Färsen über hochwertige Fleischprogramme, die attraktive Erlöse ermöglichen. Auch Jonas Meyer gehörte zu den starken Ausstellern in Brunegg.
Eine besonders beeindruckende Herde präsentierte Stefan Minder. Seine Tiere basieren nahezu vollständig auf französischer Genetik und überzeugten durch außergewöhnliches Format und hohe Fleischfülle. Mehrere direkt aus Frankreich importierte Bullen prägten den Bestand sichtbar. Der große Ausstellungserfolg des Betriebes überraschte daher niemanden.
Den Abschluss bildete der Besuch bei Roman Strupler in der Nordschweiz, der die Schweiz auch im Vorstand von EuroLim vertritt. Auf dem ackerbaulich geprägten Betrieb wurde vor 15 Jahren ein Laufstall mit Liegeboxen und Stroheinstreu gebaut. die Herde wird überwiegend künstlich besamt, sodass meist nur ein Natursprungbulle benötigt wird. Nicht allein die Hornlosigkeit entscheidet über die Bullenauswahl, sondern das gesamte Zuchtprofil. Angesichts der sehr guten Erlöse, die auch übe die Direktvermarktung erlöst werden, ist diese Zuchtstrategie gut nachvollziehbar. Auch deutsche Genetik wurde bereits erfolgreich eingesetzt.
Die EuroLim-Vertreter nutzten ihre Sitzung intensiv zum fachlichen Austausch und unterstrichen damit die enge Zusammenarbeit der europäischen Limousinzucht.
Swiss Limousin bot den deutschen Teilnehmern ein hervorragend organisiertes und abwechslungsreiches Programm. Ein besonderer Dank gilt Verena Schindler, die die Gruppe während der gesamten Reise souverän und kompetent begleitete. Ebenso bedanken sich die Teilnehmer herzlich bei den Schweizer Kollegen für die Gastfreundschaft, die interessanten Betriebsbesichtigungen und die ausgezeichnete Verpflegung.

Reisegruppe zur BDL Ausfahrt (Quelle:BDL)

Ein paar Impressionen

vom BDL-Jahrestreffen oder eine ähnliche Info

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